R.I.P. Wut - Alexander Dirr
Ich bin manchmal richtig genervt und wütend. Über Dinge, die auf der Arbeit passieren, im Straßenverkehr oder weil etwas nicht so läuft, wie ich es gerne hätte. Zeitweise kann mir diese Wut mehrere Tage versauen. Und im schlimmsten Fall auch die meiner Mitmenschen, die meine Wut ertragen müssen.
Und dann werde ich wütend, weil ich wütend bin … usw. Oft liegt das an mir, wie ich persönlich mit Dingen umgehe und wie ich mit dieser Wut umgehe.
Filme oder Serien sind für mich immer wieder Inspiration und Anstoß, mich, mein Verhalten oder meine Umwelt zu hinterfragen.
Zum Thema Wut ist folgendes passiert:
In der Serie Locke & Key zieht eine Familie in ein altes Haus, in dem magische Schlüssel versteckt sind. Mystery-Horror Serien sind ja sonst nicht so mein Fall. Jedenfalls, mit einem dieser Schlüssel kann man eine Tür in die Gedanken - in den Kopf - einer Person öffnen. Kinsey, die Teenagerin der Familie, nutzt den Schlüssel um gemeinsam mit ihrem Bruder durch eine große Drehtür in ihren eigenen Kopf zu gehen.
Dort finden sie Erinnerungen an früher, an gemeinsame Erlebnisse und an Kinseys Kindheit. Plötzlich wird ihr Bruder von einer wütenden Zombie-Kinsey angegriffen. Gerade noch kann Kinsey die wütende Zombie-Kinsey abwehren und sie und ihr Bruder flüchten zurück in die reale Welt.
Ich weiß, extrem schräg, aber gut gemacht und spannend. Worauf ich hinaus will …
Kinsey war schon länger wütend auf ihren Bruder, weil er sich seit einiger Zeit verändert hatte und nicht mehr so für sie da war, wie sie es gerne hätte. Diese Wut in Kinseys Kopf hat ihn beim Ausflug dorthin angegriffen. Und seine Verletzungen waren auch in der realen Welt sichtbar und spürbar.
Soweit so schräg, aber jetzt kommt der Clou an der Geschichte:
Kinsey will nicht wütend sein, sie will keine Angst vor ihrer Wut haben und sie will sich nicht von ihr beeinflussen lassen. Also geht sie allein in ein dunkles Waldstück (ich weiß, total dumme Idee) und öffnet dort die Drehtür in ihren Kopf.
Mit einem Messer bewaffnet geht sie in ihre Gedanken und schleift kurz darauf ihre aggressive Zombie-Kinsey durch die Drehtür in die reale Welt. Dort sticht sie sie ab und verscharrt Zombie-Wut-Kinsey im Wald. Ende der Folge.
Ich sitze angespannt auf der Couch und denke mir:
„What the f***, war das jetzt?!"
Mutig … oder dämlich? Aber definitiv entschlossen und aktiv, ohne lange zu fackeln.
Die Idee hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Was wäre, wenn ich beim nächsten Mal, wenn ich mich aufrege und der Zombie-Wut-Alexander in meinem Kopf unterwegs ist, einfach ein fiktives Messer nehme, meine Zombie-Wut in meinen Gedanken suche, sie packe, aus meinem Kopf schleife, absteche und begrabe?
Raus aus den Gedanken - erledigt, im wahrsten Sinne des Wortes.
Und wie könnte ich das machen? Immerhin habe ich ja keinen magischen Schlüssel. Oder vielleicht doch?
Ich bleib dran :)

Und weiter gehts: