Ich mag schräge Filme. Und der Netflix Film „Unicorn Store“ gehört definitiv zu den schrägeren Filmen. Für meinen Geschmack war der Film meist zu überdreht. Und doch hat mich die Idee der Story begeistert. Ich hätte sie jedoch etwas anders erzählt.
Kurz zum Inhalt: Kit, eine junge Frau, scheitert mit ihrer künstlerischen Karriere, zieht wieder bei Ihren Eltern ein und schlägt sich mit einem langweiligen Zeitarbeitsjob durch. Bis sie eines Tages eine Einladung in „The Store“ erhält. Ein mysteriöser Laden, in dem Sie bekommt, was sie am Meisten möchte, ein Einhorn. Und nein, hier geht es nicht um ein Start-up Einhorn wie in meinem Beitrag Einhorn vs. Libellen, hier geht es um ein echtes Einhorn. Damit sie ihr Einhorn jedoch bekommt, muss sie zuerst ein paar Aufgaben erfüllen. Sie muss dem Verkäufer beweisen, dass sie sich um das Einhorn kümmern kann und dass sich das Tier bei ihr wohlfühlt, sobald es geliefert wird. Nach ersten Zweifeln nimmt sie die gestellten Aufgaben an und krempelt ihr Leben um, um am Ende …
Ob sie am Ende wirklich ein Einhorn bekommt, lasse ich an dieser Stelle offen.

Mein Einhorn. Oder wie ich die Geschichte erzählen würde.
In meiner Erzählung steht das Einhorn als Synonym für die Kreativität von Kit. Als erste Aufgabe muss sie für ihr Einhorn einen Stall bauen, damit es ein Zuhause hat. Ich glaube unsere Kreativität braucht auch ein „Zuhause“. Das kann ein Atelier für einen Maler sein, eine Werkstatt für eine Künstlerin oder wie für mich, ein eigenes Arbeitszimmer mit Schreibtisch, Computer und Musik. Wir brauchen einen „Stall“, damit wir und unsere Kreativität sich wohlfühlen.
Alexander Dirr Studio

Mein Einhorn-Stall. Mein Raum für Ideen und Kreativität.

Als zweite Aufgabe muss Kit Heu besorgen, damit sie ihr Einhorn füttern kann sobald es da ist. Auch wir müssen unsere Kreativität immer wieder füttern. Als Futter kann uns vieles dienen: Wir können dafür ein interessantes Buch lesen, einen schrägen Film ansehen, ins Museum oder Konzert gehen oder uns mit interessanten Menschen unterhalten … jeder weiß, wie er seine Kreativität füttern kann. Wir sollten uns dafür aber auch die Zeit nehmen. Ansonsten verhungert unsere Kreativität.
Nachdem der Stall gebaut und mit Heu gefüllt auf das Einhorn wartet, muss Kit als dritte Aufgabe die Harmonie in ihrer Familie wiederherstellen und sich mit ihren eigenen Gefühlen und Emotionen auseinandersetzen. Ein Einhorn braucht Liebe, Zuneigung und muss sich in seiner Umgebung wohlfühlen. Dafür muss Kit an sich selbst und am Umgang mit ihren Mitmenschen arbeiten.
Ich glaube, genau das ist die größte Herausforderung. Ein Stall (kreativer Platz) ist schnell eingerichtet und Heu (Inspiration) ist online einfach zu finden. Aber die eigene Einstellung, Motivation und Muse für kreative Tätigkeiten zu finden, ist in der heutigen Zeit richtig schwierig.
Wer kennt das nicht, wir nehmen uns vor kreativ zu sein, setzen uns motiviert an den PC oder das Smartphone um uns inspirieren zu lassen und verbringen dann den Rest des Abends mit scrollen und inspirieren lassen. Am Ende sind wir demotiviert, weil alles was wir online finden besser ist als das, was wir selbst nie anfangen.

Anfangen
Aber genau darum geht es, anfangen. Den Stress des Alltags hinter sich lassen. Die eigene Erwartungshaltung ausblenden. Sich nicht mit anderen Vergleichen. Sondern einfach anfangen.
Das ist der Moment, wo alles zusammenkommt: Wir sind in unserem Stall. Wir sind umgeben von duftendem Heu. Wir fühlen uns richtig wohl.
Das ist der Moment, wo wir unser Einhorn bekommen.

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