Über den Unterschied von Beratern und Begleitern
ODER: Warum man seinen Bauchladen am Rücken tragen sollte.
Bauch-Laden
Peter und ich haben vor einigen Jahren zusammengearbeitet. Was ich damals nicht wusste, neben seinem Job als Softwareentwickler, ist Peter auch Priester in einer Kirchengemeinde und damit erster Ansprechpartner für Tod, Trauer und Seelsorge.
Ich habe von Peter gelernt, dass es wichtig ist, eine Strategie zu haben, um rechtzeitig zu erkennen, wenn mir eine Trauerbegleitung selbst zu nahe geht. Nur so kann ich diese Arbeit langfristig machen.
Als Priester hat Peter immer wieder mit Seelsorge und Trauerfällen zu tun. Und doch ist Trauer immer individuell sagt er. „Trauerbegleitung kann man nicht terminisieren.“ Manchmal ist nach drei Wochen alles gut, manchmal überkommt einen die Trauer plötzlich und manchmal kommen Menschen über viele Jahre immer mal wieder um darüber zu reden.
Trauer kann man nicht terminisieren.
Ich denke, Trauer geht nicht einfach irgendwann wieder weg oder hat kein klares Ende. Wir lernen mit der Zeit, besser mit der Trauer zu leben. So, dass sie uns nicht mehr belastet. Sie wird immer ein Teil unseres Lebens bleiben, wie die verstorbene Person auch.
Was ist dir wichtig in der Seelsorge und Trauerbegleitung?
Peter erzählt, dass die Seelsorge in seiner Kirchengemeinde auf einem engen Vertrauensverhältnis basiert. Man kennt sich und damit fällt es etwas leichter, über Tod und Trauer zu reden.
In der Trauerbegleitung außerhalb der Kirche geht es auch darum, in kurzer Zeit eine Vertrauensbasis aufzubauen. Dazu gehört ein schöner Raum, eine Tasse Kaffee oder Tee und das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein. Das ist die Grundlage, um gemeinsam an Trauer zu arbeiten.
Peter ist im Gespräch sehr klar, ruhig und aufmerksam. In der Trauerbegleitung sagt er, ist es wichtig sich selbst zurück zu nehmen. „Begleiten heißt, keine Ratschläge zu geben. Bevor man als Seelsorger oder Trauerbegleiter etwas vorschlägt, sollte man lieber nochmal einen Filter dazwischenschieben und sich fragen, ob das jetzt wirklich hilfreich ist für die trauernde Person.“
Was ist der Unterschied zwischen beraten und begleiten?
Peter arbeitet beruflich auch in der Beratung, also erklärt er es so: „In der Beratung trägt man einen Bauchladen an Methoden und Lösungen vor sich her und haut die Ideen raus wie es gerade passt. Im Unterschied dazu hat man in der Begleitung den Bauchladen auch dabei, aber man hält ihn im Hintergrund, für sich selbst und nur für alle Fälle“.
Ich denke dabei an einen Rucksack, den man ganz bewusst packt und mitnimmt. Im richtigen Moment weiß man, welche Methode oder welches Ritual man aus dem Rucksack holt und in die Begleitung einbaut.
Ich nehme oft einen Rucksack mit zu Wanderungen und Radtouren. Meistens brauche ich ihn nicht, aber wenn ich ihn brauche, bin ich froh, dass ich ihn dabeihabe.
Was wünscht du dir?
Nach einer Stunde im Gespräch atmen wir kurz durch. Schon interessant, dass man so lange und intensiv über ein Thema reden kann, über das Menschen eigentlich nicht gerne reden.
Zum Schluss frage ich Peter, was er sich zum Thema Tod und Trauer wünscht. Er würde sich wünschen, dass man mehr und anders darüber spricht. Offen, praktisch und lebensnah, denn Trauer gehört nun mal zum Leben.
Das wünsche ich mir auch.