Klaus, wozu Gefühle?
ODER: Wir brauchen Verschwindenlassenkönnenkompetenz
Klaus ist Veränderungsexperte, Buchautor, Speaker und Berater für Unternehmen und Führungskräfte. Ich kenne Klaus nicht persönlich, sondern aus seinen Büchern und Online-Beiträgen. Aufmerksam wurde ich auf ihn, durch seine Beitragsserie "Wozu Gefühle?". Dabei ging es auch um das Gefühl der Trauer.
Von Klaus habe ich gelernt, dass Trauern von allen Gefühlen das wichtigste sein könnte und dass wir dafür Verschwindenlassenkönnenkompetenz brauchen.
Trauer hat immer mit loslassen zu tun. "Sich von Bestehendem zu lösen ist schon deshalb nötig, weil alles Lebende dem Tod geweiht ist. Nicht nur der unwiderrufliche Tod, sondern Abschiede, Trennungen, Zerwürfnisse, Kündigungen, Konflikte und Schicksalsschläge sorgen für Endlichkeit. Nichts lässt sich wirklich festhalten.", schreibt Klaus.
Was ist Trauer?
Trauer ist der Umgang mit Schmerz, die Reaktion darauf, wenn man solchen Schmerzen nicht ausweicht, sondern sich ihnen zuwendet. Um mit dem Leben zurechtzukommen ist es unabdingbar, trauern zu können. "Wer nicht zu trauern lernt, dem bleibt nur leiden."
Die Kunst zu trauern
Klaus schreibt: "Das Wichtigste ist, dass man tatsächlich traurig ist und dieses Gefühl nicht ersetzt, indem man sich wütend, unverstanden, schuldig, müde, selbstmitleidig oder bestraft fühlt. Trauer ist eines der Gefühle, die häufig mit Ersatzgefühlen umgangen werden." Es ist wichtig, sich bewusst für den Schmerz zu entscheiden und sich ihm achtsam zu widmen. Gleichzeit ist es wichtig sich nicht mit seinem Schmerz zu isolieren, sondern Menschen einzubeziehen, die Trost spenden können, wenn sich die Trauer ausbreitet.
Dann ist es möglich, mit der Zeit, loszulassen. "Das Weinen hört irgendwann auf und weicht einer Ruhe oder Friedlichkeit. Dazu braucht es einen sicheren inneren Ort. Man muss sich selbst für die traurige Seite ein Nest bauen können." Loslassen bedeutet aber nicht, nicht mehr an den Verlust zu denken, im Gegenteil. "Es geht darum einen inneren Bezug zu erhalten, also etwa dankbar für das was war zu sein oder bedauernd, wegen dem, was hätte sein können, zu bleiben. Wer loslässt verliert immer etwas und er gewinnt auch neue Möglichkeiten."
Wie geht man mit Trauernden um?
Dazu hat Klaus eine klare Empfehlung: "Wer dem Schmerz anderer, vor allem naher Menschen ausgesetzt ist, der hat oft eine Tendenz Trost über Reden zu spenden. Nur - Reden hilft nicht!" Im Schmerz braucht es jemanden der da ist. Darüber habe ich auch mit Raphaela gesprochen.
"Trauernde brauchen kein Mitleid, sondern Mitgefühl. Sie brauchen keine zu frühe Hoffnung auf Besserung sondern Anteilnahme an dem wie es im Moment ist. „Das ist wirklich schlimm…!“.
Erst wenn Trauer als Emotion ins Spiel kommt, dann kann es wichtig sein, miteinander zu sprechen. Dass Trauer den Schmerz abgelöst hat, merkt man daran, dass (echte) Trauer eine lösende Komponente hat und mit fließenden Tränen und Schluchzen einhergeht."
Warum sich trauern lohnt?
"Wer selbst nicht trauern kann, der kann auch nicht trösten, der kann nicht beruhigen und der kann nicht Teil der Hoffnung werden. Deswegen lohnt es sich, schon um anderen nicht zu schaden, selbst frühzeitig Trauerkompetenz aufzubauen.", stellt Klaus fest.
Zum Schluss führt Klaus noch ein paar Punkte an, warum Trauern vielleicht von allen Gefühlen das wichtigste sein könnte:
Wer trauern kann, der steigert sein Selbstvertrauen. Denn wenn man von sich weiß, dass man mit Verlust gut umgehen kann, muss man sich nicht davor schützen.
Wer trauern kann, kann sich intensiver auf Beziehungen einlassen.
Wer trauern kann, reduziert seinen Kontrollbedarf über äußere Verhältnisse und andere Menschen. Man muss nichts festhalten.
Wer trauern kann, dessen Angst vor Verlusten nimmt ab.
Wer trauern kann, kann Abschiede als Entwicklungsschritt nutzen. Trauern macht stärker, weil neue Möglichkeiten erkannt und ergriffen werden können.
Wer trauern kann, dessen Ja zum Leben wird umfassender, da man nicht darauf festgelegt ist, dass genau das passieren soll, was man sich wünscht.